Deepfakeerkennung im Versicherungswesen

Versicherungsbetrug kostet die deutsche Branche jährlich über sechs Milliarden Euro – dabei fungieren Generative KI Modelle als Katalysator. Von manipulierten Schadenfotos über gefälschte Reparaturrechnungen bis hin zu komplett erfundenen Unfallszenarien: Die digitale Transformation hat Betrügern eine ganze Palette neuer Werkzeuge in die Hand gegeben. Höchste Zeit, dass Versicherer mit ebenso mächtigen Werkzeugen arbeiten, um den zunehmend automatisierten Betrugsversuchen Einhalt zu gebieten. 

Betrug hat viele Gesichter – nicht nur Deepfakes

Wenn von Deepfakes die Rede ist, denken die meisten an hyperrealistische Videos, in denen Personen Dinge sagen, die sie nie gesagt haben. So hat bspw. Eckhard von Hirschhausen META verklagt, da Videos verbreitet wurden auf denen er angeblich für „Abnehmpillen“ warb. Das Ergebnis des Verfahrens in welchem er erreichen will, dass META weitere solcher Videos pro aktiv blockieren oder löschen muss, ist noch anhängig.  

Bild & Video zählen alleine nicht mehr als Beweis

Im Versicherungskontext zeigt sich multimediale Manipulation schon lange in vielfältigen Formen. Klassische Betrugsfälle reichen von vorsätzlich herbeigeführten Autounfällen über fingierte Schäden und Diebstähle bis hin zu überhöhten Rechnungen. Jeder Schadensachbearbeiter kann über Betrugsversuche vermutlich ein Buch schreiben.

Mit fortschrittlicher Bildbearbeitungssoftware und KI-Tools können Betrüger heute aber weit subtiler vorgehen: Sie erstellen täuschend echte Schadenfotos, manipulieren Fahrzeugdaten oder inszenieren Unfälle mit gefälschten Dashcam-Aufnahmen als „Beweis“.

Besonders kritisch wird es, wenn gefälschte Dokumente ins Spiel kommen: Reparaturrechnungen, Gutachten, Kaufbelege – all diese Unterlagen lassen sich mit moderner Software so überzeugend fälschen, dass selbst erfahrene Sachbearbeiter sie nicht auf den ersten Blick erkennen. Dieses Problem entwickelt sich in Richtung ungeahnter Dimensionen:  

Deepfakeerstellung in nicht mal 40 Sekunden ➔

Sehen Sie wie leicht man vorhandene Bilder mit nur einem kurzen Prompt mittel KI manipulieren kann

Betrug ist auf dem Vormarsch

Eine Experian-Studie aus Februar 2025 hat ergeben, dass 61 Prozent der deutschen Unternehmen 2024 mehr Geld durch Betrug verloren haben, als im Vorjahr. 76 Prozent der deutschen Befragten sind der Meinung, dass GenAI die Betrugslandschaft dauerhaft verändert hat. So wird jenseits der Versicherungswirtschaft der gesamte Bereich „Know your Customer“ – sprich die digitale Identifikation Zielscheibe von Betrugsaktivitäten mit generativer KI.  

Quelle: https://www.experian.de/events-and-insights/2025/02/12/ki-gegen-ki-deutsche-unternehmen-im-kampf-gegen-betrug/

Automatisierung trifft auf Compliance

Die Integration forensischer Bildanalyse in bestehende Schadenmanagement-Systeme bringt mehrere Vorteile mit sich. Erstens können verdächtige Fälle bereits bei der Erstmeldung (FNOL – First Notice of Loss) automatisch gefiltert werden. Das spart Zeit, reduziert manuelle Prüfaufwände und ermöglicht es den Teams, sich auf wirklich kritische Fälle zu konzentrieren. Zweitens lassen sich Wiederholungstäter besser identifizieren, wenn Muster über mehrere Schadenfälle hinweg analysiert werden können.​ 

Gleichzeitig müssen solche Systeme den strengen Anforderungen der DSGVO und anderer Datenschutzvorschriften genügen. Sensible Kundendaten dürfen nicht unkontrolliert verarbeitet werden, und die Nachvollziehbarkeit algorithmischer Entscheidungen ist gerade im Versicherungskontext unverzichtbar. Lösungen, die von Grund auf mit Fokus auf Compliance und Erklärbarkeit entwickelt wurden, bieten hier einen klaren Wettbewerbsvorteil – nicht nur gegenüber Betrügern, sondern auch im Hinblick auf regulatorische Anforderungen wie den AI Act.​ 

Robustheit und kontinuierliches Training

Die Bedrohungslandschaft entwickelt sich ständig weiter. Was heute noch als state-of-the-art Fälschung gilt, ist morgen vielleicht Standard. Deshalb braucht es Systeme, die nicht statisch sind, sondern kontinuierlich auf neuen Daten trainiert und verbessert werden. Eine eigene Forschungskompetenz ermöglichen es, Modelle laufend zu aktualisieren und auf neue Manipulationstechniken zu reagieren. Zudem sollten Manipulationserkennungstools auf physikalische Spuren statt inhaltlichen Mustern setzen, da semantische Fehler in Bildinhalten (Die berühmten „6 Finger“, die erste KI Generatoren gerne mal gezaubert haben) zunehmend verschwinden.  

Versicherer, die frühzeitig in robuste Multimediaforensik investieren, verschaffen sich einen Vorsprung: Sie können nicht nur aktuelle Betrugsfälle aufdecken, sondern sind auch für zukünftige Bedrohungen gewappnet. Das schützt nicht nur die eigene Bilanz, sondern auch die Prämien ehrlicher Kunden und das Vertrauen in die Branche insgesamt. 

Vertrauen durch Transparenz

Am Ende geht es bei Deepfakeerkennung und Multimediaforensik nicht nur um Schadenabwehr, sondern um Vertrauen. Versicherer, die transparent zeigen können, dass sie über zuverlässige Prüfmechanismen verfügen, stärken ihre Glaubwürdigkeit gegenüber Kunden, Aufsichtsbehörden und Partnern. Die Kombination aus technischer Robustheit, wissenschaftlich fundierter Methodik und regulatorischer Compliance schafft eine Basis, auf der ehrliche Kunden fair behandelt und Betrüger effektiv erwischt und auch abgeschreckt werden. 

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